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Januar 1996 — die erste Folge – Tagebuch_
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Video-Recap26. Juni 2026· 4 Min

Januar 1996 — die erste Folge

Tag 1: der Kaltstart

Die Kamera lief, bevor ich wach war. Das war die einzige Regel, die ich mir für den Anfang fest vorgenommen hatte — kein gestellter Aufwacher, kein zweiter Take. Der erste echte Reflex des Morgens sollte drin sein, und er kam prompt: die Hand greift ins Leere auf dem Nachttisch, da, wo seit Jahren das Telefon liegt. Nur dass da jetzt nichts liegt. Das Nokia ist in der Schublade, ausgeschaltet, Notfall only. Dieser Griff ins Nichts ist der Kaltstart der ganzen Serie — und der erste Moment, in dem mir klar wurde, wie tief das eigentlich sitzt.

Draußen lag Schnee. Passt: Der Januar 1996 war Hochwinter, kalte, schneereiche Wochen, und ich starte ausgerechnet jetzt in ein Jahr, das ich nur aus Erzählungen und Zeitschriften kenne.

Das Paket

Das Herzstück von Tag 1 war das Auspacken des Januar-Pakets. Alle drei echten Tage gibt es ein neues — Gegenstände, Spiele, Zeitschriften, Snacks des jeweiligen Monats. Diesmal also: der Januar 1996, sortiert in einen Karton. Bravo, Kicker, ein Stadtplan statt Maps, Bargeld statt Karte, ein Terminkalender 1996, in den ich tatsächlich von Hand schreiben muss. Das Auspacken habe ich live gefilmt, ohne Schnitt, weil genau dieses langsame Hervorholen der Dinge das Tempo der nächsten 36 Tage vorgibt.

Erstes Booten

Dann der Moment, auf den ich mich am meisten gefreut hatte: das erste Booten an der Röhre. CRT angeschlossen, Scart eingesteckt, Konsole an — und dieses unverwechselbare Bild, das erst ein, zwei Sekunden braucht, bis die Röhre warm ist und die Farben sitzen. Kein Standby, kein Sofort-An. Man wartet. Und während ich wartete, lief im Hintergrund das, was im Januar 1996 wirklich aus den Boxen kam: Bis zum 21. Januar stand noch Michael Jacksons „Earth Song" auf der Eins der deutschen Single-Charts, ab dem 22. Januar übernahm Coolio feat. L.V. mit „Gangsta's Paradise". Genau dieser Wechsel — das ist mein Soundtrack zum Start.

Wer am PC saß, hatte Ende des Monats sein eigenes Ereignis: Am 29. Januar erschien die Shareware-Version von „Duke Nukem 3D" für DOS. Das war 1996 ein Statement, und es als Neuheit zu erleben statt als Retro-Klassiker fühlt sich grundlegend anders an.

Tamagotchi an

Roter Faden Nummer eins: das Tamagotchi. Batterie rein, Stift in die Reset-Öffnung, und das Ei schlüpft. Ab jetzt drei Checks am Tag, jeden Tag, bis zum Finale. Lebt es bis Tag 36 oder nicht? Es ist ein albernes Plastikei und gleichzeitig die ehrlichste Verpflichtung der ganzen Serie — etwas, das von mir verlangt, regelmäßig präsent zu sein, ohne Push-Benachrichtigung, ohne Erinnerung. Wenn ich es vergesse, vergesse ich es eben. Genau das ist der Punkt.

Der erste Tagebucheintrag

Roter Faden Nummer zwei: das Tagebuch, jeden Abend handgeschrieben. Der allererste Eintrag ist später, im Finale, der wichtigste Moment der Serie — erster gegen letzten Eintrag, live vorgelesen. Deshalb war mir wichtig, ihn ungeschönt zu lassen. So klang er:

Erster Tag. Es ist seltsam ruhig, und ich greife alle paar Minuten nach etwas, das nicht mehr da ist. Draußen liegt Schnee, im Radio läuft Coolio, und ich habe heute zum ersten Mal seit Jahren nicht gewußt, wie spät es ist, ohne aufs Telefon zu schauen. Das Tamagotchi piept. Ich muß mich daran gewöhnen, daß ich auf Antworten jetzt warten muß. Mal sehen, ob früher wirklich alles besser war.

Die Welt da draußen, Januar 1996

Damit das kein reines Wohnzimmer-Experiment bleibt, ein paar echte Schlagzeilen des Monats, die für mich „Gegenwart" sind: Die Arbeitslosigkeit erreichte im Januar 1996 mit rund 4,2 Millionen Registrierten einen Nachkriegsrekord — Sparpaket und Sozialstaatsdebatte beherrschten die Nachrichten. Im Hintergrund schwelten schon die Sorgen um die D-Mark und die geplante Währungsunion. Am 28. Januar gewann Boris Becker die Australian Open gegen Michael Chang — es sollte sein letzter Grand-Slam-Titel werden, was 1996 natürlich noch niemand wusste. Und am 31. Januar ging der Deutsche Bundestag mit www.bundestag.de erstmals online — ein winziger, fast komischer Vorbote von genau der Welt, der ich gerade für 36 Tage den Rücken kehre.

Fazit Folge 1

Tag 1 war genau der Kaltstart, den ich wollte: kein sanftes Eingewöhnen, sondern direkt der Griff ins Leere. Das Paket ist offen, die Röhre ist warm, das Tamagotchi lebt, der erste Eintrag steht im Tagebuch. 35 Tage bleiben. Und die große Frage hängt schon über allem, auch wenn ich sie erst im Dezember beantworten kann: War früher wirklich alles besser?

Zur Folge: Januar 1996
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26. Juni 20264 Min Lesezeit
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